Um dem Jetlag gleich von Beginn weg entgegen zu wirken gings nach einem langen Tag und anschliessendem siebenstuendigen Flug nicht direkt ins Bett. Schliesslich hatten wir ja in Hawai’i schon wieder morgen. Wie meistens in einer neuen unbekannten Stadt spazierten wir einfach mal ohne Ziel drauf los um die Gegend kennenzulernen. Unser Hostel, welches wir vorrausschauend noch in Peking fuer die ersten zwei Naechte auf Hawaii gebucht hatten, befand sich mitten in Honolulu’s Touristenstadtteil Waikiki. Was nicht unbedingt schlecht war. Immerhin waren wir umrundet von Restaurants und Shops, was in Downtown Honolulu nicht unbedingt der Fall sein muss. Denn die Hochhaeuser da dienen dem reinen Business und auch die meisten Restaurants, ausser in Chinatown, haben nur Montag bis Freitag ueber Mittag offen. Nach ueber 30 Stunden ohne Schlaf und einem langen Spaziergang bei dem uns schon beim gehen die Augen zufielen gings dann aber bald ins Bett und schon hatten wir uns am naechsten Tag an die neue Zeit gewohnt.
Unser 2 taegiger Aufenthalt auf der Insel Oahu galt aber hauptsaechlich der Suche nach einem guten Angebot fuer Fluege auf andere Inseln. So buchten wir schlussendlich online einen Flug von Honolulu nach Hilo auf Big Island, einen Flug von Hilo nach Kahului auf der Insel Maui und dann einen Flug zurueck nach Honolulu auf der Insel Oahu. Alle drei Fluege buchten wir ueber Hawaiian Airlines und konnten auch gleich ueber die ganze Zeit ein Mietauto mit einbeziehen.
Nach unserem ersten Flug kamen wir also auf der groessten Insel des Bundesstaates Hawai’i an. Aufgrund der Vulkaneruption waechst diese Insel uebrigens im Jahr durchschnittlich einen Quadratmeter. Big Island besteht aus fuenf grossen Vulkanen. Kohala (erloschen) im Norden, Hualalai im Westen (zum letzten Mal im 19. Jahrhundert aktiv), Mauna Kea im Osten (letzter Ausbruch vor 4000 Jahren), Mauna Loa im Sueden, und Kilauea im Suedosten. Sowohl Mauna Loa als auch Kilauea sind sehr aktiv, wobei die aktuelle Eruption des Kilauea bereits seit 1983 andauert. Kilauea war auch einer der Hauptgruende wieso wir uns unter anderem fuer diese Insel entschieden hatten. Denn der Volcanoes Nationalpark ist die groesste Attraktion der Insel und auch eine der groessten des ganzen Staates. Naeher wie hier kommt man sonst fast nirgends an einen so aktiven Vulkan heran.
Wir entschieden uns jedoch vorerst ueber Norden in Richtung Westen der Insel, nach Kailua-Kona, zu fahren. Kona ist unter anderem fuer denn alljaehrlich hier stattfindenden Ironman-Hawaii Wettbewerb bekannt. Uebrigens ist Big Island die einzige Insel auf der man ein richtiges Road Trip Feeling bekommt. Immerhin ist diese Insel mehr als doppelt so gross, wie alle anderen hawaiianischen Inseln zusammen. Die Strassen ziehen sich hier sehr in die laenge, was wir leicht unterschaetzten. Nach ueber drei Stunden kamen wir schliesslich in Kona an und fanden nach langer Suche eine Uebernachtungsgelegenheit in einem Hostel/Gaestehaus/Inn wo man nur Barfuss herumgehen durfte und wir eine Wohnung mit einem jungen Paar aus Malaysia teilten. Zum Glueck wars nur fuer eine Nacht. Frueh am naechsten Morgen zogen wir wieder los in Richtung Sueden, mit dem Ziel, den Vulkan und seine Lavafelder noch am selben Nachmittag zu erkunden. Und eine Bett fuer die Nacht musste auch noch gefunden werden. Auf dem Weg lagen dutzende Kaffeeplantagen. Kaffee- und Bananenplantagen sind neben dem Tourismus die Hauptverdienstquellen der ueber 170000 Einwohner der Insel. Der Konakaffee wird als eine Spezialitaet Hawaii’s auf allen Inseln verkauft. Fuer uns wars jedoch nichts anderes als normaler Kaffee. Ebenfalls auf dem Weg stoppten wir im Pu’uhonua o Honaunau Historical National Park, eine im 17. Jahrhundert erbaute Tempelanlage und die einzige nahezu vollständig erhaltene Kultstätte auf Hawaii. Der Name bedeutet “Staette der Rettung und Zuflucht von Honaunau”. An diesem fuer die Ureinwohner heiligen Ort fanden Gesetzesbrecher Schutz vor den Krieger des Haeuptlings und konnten von einem Priester begnadigt werden. Ebenfalls auf unserer Route lag der suedlichste Punkt der USA, Ka Lae. Dieser Punkt liegt 630 km naeher am Aequator als Key West, der suedlichste Punkt des Festlandes der USA. Wobei Key West eigentlich auch nur wegen der Bruecke ueberhaupt zum Festland gehoert.
Dank unserer fruehen Abfahrt am morgen, kamen wir also schon gegen Mittag in Volcano Village an. Eine sehr kleine Ortschaft mit einem Cafe, einer Tankstelle und einem Tankstellenshop. In unserem Lonely Planet stand was von einem Bed & Breakfast wo wir dann auch gleich vorbeischauten. Das grosse Einfamilienhaus sah aus wie ein Hexenhaus und war schon fast verkleidet von lauter Spinnennetzen. Im Buch stand zwar, man sollte sich von der Aussenansicht des Hauses nicht abschrecken lassen. Wir waren also vorbereitet, aber trotzdem geschockt und wollten auch gleich wieder gehen. Da kam aber gleich der japanische Besitzer mit seinem Auto angefahren und wir schauten uns trotzdem mal noch alles an. Der Besitzer war sehr freundlich und die Zimmer waren tatsaechlich sehr schoen und sehr sauber. Wir hatten also noch den ganzen Nachmittag fuer den Volcanoes National Park. Wir fuhren die Chain of Craters Road vom Vulkan ueber die Lavafelder herunter bis an die Kueste. Was man von hier aus aber nicht sehen konnte, war der Ort wo momentan das Lava ins Meer fliesst. Dieser Ort befand sich auf der anderen Seite der Lavafelder. Die Strasse war ueberall ueber das Lava geteert und man konnte immer nachlesen von welcher Zeit dieses Feld stammte. Das gefaehrliche und giftige Schwefeldioxid konnte man uebrigens riechen. Die Strasse war nach ca. einer Stunde fahrt aber fertig, da das Lava 2007 hier ueber die Strasse fliess und die Chain of Craters Road somit verkuerzte. So parkten wir halt unser Auto und gingen ein Stueckchen zu Fuss weiter ueber das Lava der ueberfluteten Strasse nach. Strassenschilder wie “Road closed” gucken hier noch aus dem erstarrten schwarzen Lavagestein. Wir nahmen uns vor, am naechsten Tag auf die andere Seite der riesigen Lavafelder zum fliessenden Lava zu fahren. Zurueck in der Ortschaft Volcano, besuchten wir die wohl einzige Gelegenheit im Dorf was zu essen und assen tatsaechlich eine der besten Pizza seit langem. Am naechsten Tag gings wieder frueh los. Wir fuhren Richtung Hilo, die Hauptstadt der Insel. Von Hilo aus wollten wir direkt weiter ueber die bekannte Saddle Road auf den Mauna Kea, dem hoechsten Berg auf Hawai’i. Im Gegensatz zu seinem Nachbarn Mauna Loa (nur 30 Meter weniger hoch) ist der Mauna Kea zurzeit nicht aktiv und gilt als schlafender Vulkan. Sein Alter wird auf 1 Million Jahre geschaetzt. Die letzte aktive Phase fand vor ca. 6000 bis vor 4000 Jahren statt, mit mindestens sieben Ausbruechen. Es gab bereits zuvor Ruhephasen mit einer laengeren Dauer als 4500 Jahre, insofern ist die gegenwaertige lange Ruhephase nicht unbedingt ein Zeichen für einen erloschenen Vulkan. Auf 4207 Meter hoehe wurde die Luft schon ganz schoen duenn und wir mussten auch im Basiscamp eine 30 Minuetige Pause einlegen um uns an die duenne Luft zu gewoehnen und die gefaehrliche Hoehenkrankheit zu vermeiden. Auf dem Gipfel des Berges befindet sich eine Gruppe internationaler Observatorien die zusammen die groesste Sternwarte der Welt bilden. Darunter befinden sich zwei der zurzeit Leistungsfaehigsten Teleskope weltweit mit ihren 10 Meter Spiegel.
Zurueck in Hilo mussten wir zuerst mal wieder ein Schlafplatz finden. Bei einem ehemaligen historischen Hotel, dass heute ein Hostel ist wurden wir fuendig. Fuer das 1 Dollar Kino, wo wie es der Name schon sagt fuer einen US Dollar aktuelle Kinofilme geschaut werden koennen, blieb keine Zeit mehr uebrig, da wir immer noch vorhatten zum fliessenden Lava, rund 45 km suedlich, zu fahren. Nach einem Besuch in der oertlichen Pub und ein paar Smalltalks mit einheimischen Farmer spaeter gings dann gegen Abend dahin. An jenem Ort angekommen, spazierten wir von einem Parkplatz ueber einen Fussgaengerweg ueber das Lava welches hier vor 8 Jahren die Strasse ueberflutet hatte. Ueberall wird auf Schildern fuer Land auf dem Lava geworben und tatsaechlich gibt es auch schon das ein oder andere Haus, dass seinen Platz auf den pechschwarzen Lavasteinen gefunden hat. Auf dem Berghang, der sich vom Vulkan runter an die Kueste neigt, rauchte es schon gewaltig und je dunkler es wurde, desto besser sah man die Gluht aus der Ferne. Am Ende des Weges, wurden wir uebrigens von einer dunklen Lavaflut enttaeuscht. Wir kamen sechs Tage zuspaet, denn da war die Lava hier noch richtig fluessig und gluehend. Diese hier war nur noch sehr heiss und raeuchte hie und da noch ein bisschen. Das richtig fluessige Lava befand sich weiter hinten, wohin der Zutritt wegen der immernoch heissen, aber schon schwarzen Lava nicht moeglich war. Immerhin sahen wir auf dem Berghang eine riesige Masse an fluessigem Lava den Berg hinunterstroemen. Wir machten uns auf den Weg zurueck nach Hilo, wo wir am naechsten Tag den ersten Direktflug nach Kahului auf Maui nahmen.
Fuenf Naechte auf Maui waren geplant und im Gegensatz zu Big Island buchten wir hier gleich fuer die gesamte Zeit ein Zimmer im Banana Bungalow im zentralen Wailuku. Ein grosser Fehler wie sich spaeter herausstellte. Die Insel ist zwar immernoch die zweitgroesste auf Hawaii, aber trotzdem schon viel viel kleiner als Big Island. Hauptsaechlich besteht Maui aus zwei erloschenen Vulkane, einen im Westen und einem Osten. Diese Vulkane werden mit einem flachen Tal in der Mitte verbunden. Desshalb ist die Insel auch als Valley Isle bekannt. Auf dem flachen Teil der Insel im Tal liegt ein grosser Teil der insgesamt auf der ganzen Insel 150 Quadratkilometer Zuckerrohrplantagen. Mit unserem gemieteten Subaru Impreza gings gleich am ersten Tag in Richtung Westen. Wir umrundeten die gesamte Westhalbinsel. Die Strasse schlaengelte sich nur so ueber die Klippen und Bruecken der Kueste nach. Unterwegs konnten Kokosnuesse und Ananas aus dem hauseigenen Garten der Einwohner gekauft werden. Unser Favorit war aber das selbstgebackene Bananenbrot und nach aussagen der wohl selbstsichersten Verkaeuferin der Welt, das beste Bananenbrot der Welt. Nach einer kurvenreichen Fahrt mit fantastischen Ausblicken kamen wir in der touristischen Stadt Lahaina an. Lahaina bedeutet im hawaiischen soviel wie “Gnadenlose Sonne”. Die ehemalige Walfaengerstadt gefiel und sehr gut und hatte einen tollen Flair. Am zweiten Tag auf Maui wollten wir die beruehmte Strasse “Road to Hana” fahren. Diese Strasse fuehrte uns ueber 80 Kilometer noerdlich der Osthalbinsel ueber 54 Bruecken und unzaehlige Kurven in die Ortschaft Hana am oestlichen Ende der Insel. Auf dem Weg lagen ebenso viele Wasserfaelle und Straende. Hundselend von der Fahrt war es uns also als wir gegen Abend zurueck in Wailuku ankamen. Ausserdem hat uns die Strasse gegen Westen nach Lahaina viel besser gefallen als diejenige gegen Osten. Wir nahmen uns vor am naechsten Tag frueh auf den 3040 Meter hohen Vulkan, Haleakala, im Osten zu fahren und fuer den Nachmittag einen schoenen Strand an der Suedkueste zu finden. Am naechsten Tag und nach 1,5 Stunden Fahrt oben angekommen erwartete uns ein farbenpraechtiges Panorama. Die Landschaft hier sah aus wie die Erde an ihrem Schoepfungstag. Die Farbenvielfalt wird verursacht durch die je nach Zusammensetzung rot, gruen, blau oder gelb schimmernde Lava. Auf Wanderwegen ist der über 1000 Meter tiefe Krater gut begehbar. Die Aussicht die wir hier hatten, war die schoenste seit derjenigen die wir noch im Januar auf den Drakensbergen in Suedafrika hatten. Aber das Panorama von den Drakensberge hat auch dieses auf Haleakala noch nicht ueberbieten koennen.
Es ging also wieder den Berg hinunter und in Richtung Suedkueste. Wir suchten einen richtig schoenen Strand fuer den Nachmittag, was sich ganz schoen schwierig gestalten kann, wenn es sich um zwei Strandverwoehnte handelt, die einen schoenen Strand suchen. Nach den Straenden in Suedafrika und Australien, keine leichte Aufgabe. Doch wir wurden fuendig. Auf dem Weg in Richtung Suedosten hielten wir am Strassenrand und durchquerten den ca. 200 Meter breiten Waldstreifen. Dahinter befand sich ein Strand der tatsaechlich mit den Straenden in Australien oder Suedafrika mithalten konnte. Er war ca. ein Kilometer lang, 100 Meter breit und so gut wie menschenleer. Im hintersten Teil befanden sich ein paar Badelustige und sogar Rettungsschwimmer. Auf unserer Seite des Strandes waren wir so gut wie alleine. Die Wellen waren allerdings um die 2-3 Meter hoch und die Rueckstroemung sehr stark. Die Wellen brachen sehr spaet, also das heisst, so gut wie erst auf dem Sand. Was natuerlich zur Folge hatte, dass man in ca. drei Meter Entfernung zum Strand im Wasser schon nicht mehr stehen konnte. Doch wir hatten Fun beim Wellenbodyreiten. Die Wellen schleuderten uns jedesmal zurueck auf den Sand, so dass unsere Arme schon blutig aufgekratzt waren. Hierher kehrten wir in den restlichen Tagen nocheinmal zurueck. Ebenfalls in den letzten Tagen auf Maui besuchten wir noch das Iao Valley, welches praktisch vor unserer Haustuere lag. Ca. acht Kilometer fuehrt eine Strasse in die Sackgasse im Iao Tal. Am Ende der Strasse liegt schliesslich das Wahrzeichen des Tales, der 370 m hohe Iao Needle, ein Monolith, ueberwuchert von ueppigem Dschungel, ueber dem Tal. Wir spazierten ueber die schoenen Wege entlang des Iao River zu einigen Aussichtspunkten. Im Jahre 1790 fuehrte hier Koenig Kamehameha I die entscheidende Schlacht um Maui und besiegte Koenig Kahekili.
Doch warum war es ein Fehler gleich fuer die gesamte Zeit im Banana Bungalow in Wailuku zu wohnen? Bei unserer Ankunft wurden wir schon stutzig, als der Typ an der Rezeption uns sagte dass es keine Rueckerstattungen geben wird, aber wir trotzdem schon alle fuenf Naechte bezahlen muessen. Daraufhin wollten wir erstmal das Zimmer checken. Das Zimmer sah eigentlich ganz toll aus. Sauber und freundlich. Die Badezimmer im Korridor sahen dreckig aus, aber es sah auch so aus als ob die Putzfrau die daneben stand es gleich putzen wuerde. Wir checkten daraufhin ein. Nach drei Naechten und Cassi von Bettwanzenbissen, die wir zu Beginn fuer Mueckenstiche hielten, uebersaeht reklamierten wir an der Rezeption die uns auch gleich ein neues Zimmer gaben. Ausserdem glauben wir, dass das Badezimmer an jenem Tag bei unserem Check-In doch schon geputzt gewesen haette sein sollen. Wir haben es auf jedenfall nie sauberer gesehen. Auf unserer Etage lebten etwa 40 Gaeste, die alle zusammen vier Badezimmer zur Verfuegung hatten. Das waren die schlimmsten Badezimmer die wir auf unserer Reise bis jetzt gesehen haben – Das war das schlimmste Hostel, dass wir auf unserer Reise gesehen haben.
Wir waren heilfroh, dass wir zurueck nach Oahu in unser Hostel in Waikiki ziehen konnten, wo wir uns wie zuhause pudelwohl fuehlten.
Aber trotzdem – Maui, aber auch Big Island hat uns sehr gut gefallen. Vorallem “unser” Strand an der Suedostkueste Maui’s vermissen wir jetzt noch. Nach einer guten halben Stunde Flug landeten wir wieder in Oahu, wo wir die letzten acht Tage verbrachten.
Cassi’s Eltern waren fuer ihren Geburtstag extra angereist und so gab es nach 4,5 Monaten das erste Wiedersehen.